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Lasergeschnittene Teile biegen

Aus einem flachen Zuschnitt wird ein Winkel, ein Ständer, ein Gehäuse ohne Klebenaht. Das gelingt aber nur mit Material, das in der Wärme weich und kalt wieder fest wird.

Fachlich geprüft am 11. September 2026

Drei Acrylteile auf einer Werkbank: ein klarer, mehrfach gebogener Ständer, ein orange-transparentes U-Profil und daneben ein noch flacher, klarer Zuschnitt.KI-generiert

Beim Linienbiegen wird die Platte nicht als Ganzes erwärmt, sondern nur ein schmaler Streifen entlang der Biegelinie. Ein Heizdraht bringt diese Zone auf Umformtemperatur, dann wird das Teil in einer Schablone auf den gewünschten Winkel geklappt und dort gehalten, bis es abgekühlt ist. Der Rest der Platte bleibt kalt, flach und maßhaltig.

Damit das funktioniert, muss das Material zwei Dinge können: in der Wärme weich werden, ohne zu verbrennen, und beim Abkühlen die neue Form behalten. Das können nur thermoplastische Kunststoffe — und längst nicht alles, was sich gut lasern lässt, gehört dazu.

Was sich bei uns biegen lässt

MaterialBiegbarWarum
Acrylglas GS und XT — klar, farbig, matt, fluoreszierend, Präzisionja, bis 6 mmThermoplast: wird bei rund 150–175 °C formbar und bleibt nach dem Abkühlen in Form.
Acrylglas SpiegelneinDie Spiegelschicht auf der Rückseite übersteht die Heizzone nicht.
PET-GjaThermoplast, der schon bei niedrigerer Temperatur formbar wird und mehr verzeiht als Acryl.
PolypropylenjaWird kalt gefalzt — so zäh, dass es ohne Wärme knickt, ohne zu brechen.
Holz, Sperrholz, MDFneinHolzfasern werden in der Wärme nicht weich, sondern brechen oder verkohlen.
Kork, Filz, LederneinNachgiebig, aber ohne Formgedächtnis: Sie lassen sich knicken, federn aber zurück oder bleiben weich — eine feste Kante entsteht nicht.
Karton, Pappe, Finnpappe, KraftplexneinZellulosefasern knicken und reißen an der Kante auf. Kraftplex lässt sich zwar eingeweicht formen, aber nicht an einer scharf gezogenen Linie.
Alle übrigen Materialien im SortimentneinFür sie gibt es bei uns kein erprobtes Biegeverfahren.

Nach genau dieser Einteilung gibt der Modeller das Werkzeug „Biegen" frei oder sperrt es.

Radius: mindestens die doppelte Materialstärke

Beim Biegen wird die Außenseite gedehnt und die Innenseite gestaucht. Je enger der Radius, desto größer der Unterschied. Unterhalb der doppelten Materialstärke entstehen in Acrylglas unzulässige Spannungen oder Quetschfalten auf der Innenseite; bei 3 mm Acryl liegt der kleinste sinnvolle Innenradius also bei 6 mm.

Bei klarem Material kommt die Optik dazu: An jeder Biegung entsteht zwangsläufig eine sichtbare Störung, und sie wird umso deutlicher, je dicker das Material und je kleiner der Radius ist. Wer durch die Biegung hindurchschauen will, wählt den Radius so groß wie möglich.

Im Modeller kannst du auch den Radius 0 wählen, den scharfen Falz. Er bleibt erlaubt, weil er für manche Teile genau richtig ist — spannungsarm ist er aber nicht: Die Innenseite wird stark gestaucht, bei klarem Material ist die Kante deutlich zu sehen.

Abstand zwischen zwei Biegungen

Die warme Zone ist breiter als die Linie selbst: Laut Verarbeitungsrichtlinie sollte sie mindestens drei- bis fünfmal so breit sein, wie das Material dick ist. Liegen zwei Biegelinien zu nah beieinander, überlappen sich ihre Heizzonen — die zweite Biegung zieht die erste wieder auf.

Der Modeller rechnet das nach: Zwischen zwei parallelen Biegungen muss neben den beiden Biegebögen ein Steg von mindestens dreifacher Materialstärke bleiben. Wird es zu eng, meldet er es, bevor du bestellst.

Dasselbe gilt für alles andere in der Heizzone: Bohrungen, Schlitze und Gravuren direkt an der Biegelinie werden mit weich und verziehen sich. Plane sie mit etwas Abstand zur Linie.

So zeichnest du eine Biegung im Modeller

  1. Wähle zuerst ein biegbares Material. Bei allen anderen bleibt das Werkzeug „Biegen" gesperrt.
  2. Ziehe mit „Biegen" eine gerade Linie über das Teil. Sie wirkt immer von Kante zu Kante — Teilbiegungen gibt es nicht.
  3. Stelle rechts Winkel, Innenradius und Richtung ein: Berg (nach oben) oder Tal (nach unten).
  4. Prüfe das Ergebnis in der 3D-Vorschau mit „Gebogen zeigen".
  5. Wechselst du später auf ein nicht biegbares Material, warnt der Modeller und bietet an, die Biegelinien zu entfernen.

Was du beim Maß bedenken musst

In der Biegezone wird das Material außen länger und innen kürzer. Irgendwo dazwischen liegt eine Schicht, die ihre Länge behält — die neutrale Faser. Bei Acrylglas liegt sie praktisch in der Mitte, weil die Dicke in der Heizzone nahezu gleich bleibt. Deshalb sind die Schenkellängen eines gebogenen Teils nicht einfach die Abstände zur Linie; die 3D-Vorschau rechnet das bereits so.

Und: Gebogen wird von Hand in der Schablone. Der Laserschnitt ist auf Zehntel genau, der Biegewinkel ist Handwerk. Passungen, die exakt sitzen müssen, planst du deshalb besser an den geschnittenen Kanten als über eine Biegung hinweg.

Biegelinien lassen sich auch in einer hochgeladenen Datei mitgeben. Winkel und Radius stecken dann in der Strichfarbe der Linie — wie die Farbe aufgebaut ist, steht in der Dateihilfe samt Farbrechner.

Häufige Fragen

Welche Materialien kann man biegen?
Bei uns Acrylglas bis 6 mm (außer Acrylspiegel), PET-G und Polypropylen. Holz, MDF, Kork, Filz, Leder, Karton und Kraftplex lassen sich an einer Linie nicht biegen.
Warum kann man Kork oder Leder nicht biegen?
Sie sind nachgiebig, haben aber kein Formgedächtnis: Man kann sie knicken, doch sie federn zurück oder bleiben weich. Eine feste, definierte Biegekante entsteht nur bei Kunststoffen, die in der Wärme formbar und kalt wieder fest werden.
Wie klein darf der Biegeradius bei Acryl sein?
Mindestens die doppelte Materialstärke, bei 3 mm Acryl also 6 mm Innenradius. Kleinere Radien erzeugen Spannungen und Quetschfalten. Der scharfe Falz mit Radius 0 ist möglich, aber sichtbar gestaucht.
Wie weit müssen zwei Biegungen auseinanderliegen?
Zwischen den beiden Biegebögen braucht es einen Steg von mindestens dreifacher Materialstärke, damit sich die Heizzonen nicht überlappen. Der Modeller prüft das automatisch.
Kann ich 8 mm Acrylglas biegen lassen?
Nicht bei uns. Gebogen wird bis 6 mm — dickeres Material lässt sich mit einem Heizdraht nicht mehr gleichmäßig durchwärmen.

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