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Schnittfuge richtig einrechnen

Der Laser nimmt Material weg. Wer das in der Zeichnung nicht berücksichtigt, bekommt Teile, die einzeln genau stimmen und zusammen trotzdem nicht passen.

Fachlich geprüft am 30. August 2026

Ein Laserstrahl ist kein mathematischer Strich, sondern ein Werkzeug mit Breite. Er fährt mittig auf der Linie, die du gezeichnet hast, und verdampft dabei links und rechts davon jeweils die Hälfte seiner Breite. Dieser Materialverlust heißt Schnittfuge, im Werkstattjargon meist Kerf.

Die Maschine gleicht das nicht selbst aus. Sie schneidet genau dort, wo deine Linie liegt — eine Werkzeugradiuskorrektur wie beim Fräsen gibt es hier nicht. Das ist kein Mangel, sondern die Voraussetzung dafür, dass du selbst bestimmst, auf welcher Seite der Linie das Material verschwinden soll.

Was das für deine Maße bedeutet

GezeichnetGeschnittenKorrektur in der Zeichnung
Kreisscheibe Ø 20 mmØ 20 mm − 1 SchnittfugeSchnittfuge addieren
Kreisloch Ø 20 mmØ 20 mm + 1 SchnittfugeSchnittfuge subtrahieren
Außenkante einer Platteschmaler als gezeichnetSchnittfuge addieren
Ausschnitt, Schlitz, Bohrunggrößer als gezeichnetSchnittfuge subtrahieren

Immer eine volle Schnittfuge, nicht die Hälfte: Der Verlust tritt an beiden gegenüberliegenden Kanten auf und addiert sich über das Maß.

Warum Steckverbindungen doppelt betroffen sind

Bei einer Zapfen-Schlitz-Verbindung wirkt der Effekt zweimal in dieselbe Richtung. Der Zapfen wird um eine Schnittfuge schmaler, der zugehörige Schlitz um eine Schnittfuge breiter. Das Spiel zwischen beiden ist damit doppelt so groß wie die Schnittfuge.

Konkret: Bei Acrylglas 3 mm mit rund 0,35 mm Schnittfuge sitzt ein nominell passgenau gezeichneter Zapfen mit etwa 0,7 mm Luft im Schlitz. Das ist der Unterschied zwischen einer Verbindung, die klemmt, und einer, die auseinanderfällt — und der häufigste Grund, aus dem ein sorgfältig konstruiertes Gehäuse nicht hält.

Ausgleichen kannst du das an einer Stelle oder verteilt: entweder den Zapfen um eine Schnittfuge breiter zeichnen, oder den Schlitz um eine Schnittfuge schmaler, oder beide um je die Hälfte. Rechnerisch ist das gleichwertig. Praktisch ist es meist bequemer, nur das Innenmaß anzupassen, weil Außenkonturen oft an anderen Maßen hängen.

Wie groß ist die Schnittfuge

Es gibt keinen allgemeingültigen Wert. Die Schnittfuge hängt vom Material und seiner Stärke ab, dazu von der Brennweite der Linse, vom Druck der Prozessluft und von der Fertigungstoleranz der Platte selbst. Sie kann sogar innerhalb derselben Materialcharge schwanken.

Die folgenden Werte sind Erfahrungswerte aus unserer eigenen Fertigung. Sie taugen als Ausgangspunkt für die Konstruktion — sie ersetzen keinen Probeschnitt.

Richtwerte aus unserer Fertigung

MaterialStärkeSchnittfugeGemessen auf
Acrylglas3 mm0,3–0,4 mmTrotec Speedy 500
Birkensperrholz3 mm0,2 mmTrotec Speedy 500

Richtwerte, keine Zusicherung: andere Maschine, andere Linse oder eine abweichende Materialcharge verschieben den Wert. Für maßhaltige Passungen gilt der Probeschnitt.

Wann du die Schnittfuge ignorieren kannst

Bei Dekorteilen, Schildern, Anhängern und allem, was für sich allein steht, spielt ein Zehntelmillimeter keine Rolle. Rechne hier nichts um — das macht die Zeichnung nur unübersichtlich.

Berücksichtigen musst du die Schnittfuge überall dort, wo zwei geschnittene Teile zusammenwirken: Steckverbindungen, Gehäuse, Passungen für Wellen und Lager, ineinandergreifende Zahnräder, Einlegeteile, Frontplattenausschnitte für Buchsen und Displays.

Der Probeschnitt

  1. Zeichne einen schmalen Streifen mit drei Schlitzen: einen mit Nennmaß, einen um eine halbe Schnittfuge schmaler, einen um eine volle Schnittfuge schmaler.
  2. Dazu einen passenden Zapfen im Nennmaß, mehrfach ausgeführt.
  3. Beides auf dem kleinsten Plattenformat bestellen — das kostet wenig und beantwortet die Frage endgültig.
  4. Nimm die Kombination, die sich mit leichtem Druck fügen lässt und nicht von selbst herausfällt. Diesen Korrekturwert für Material und Stärke notieren.

Dieser Weg ist unter unseren Kundinnen und Kunden verbreiteter, als man denkt: Ein erheblicher Teil der wiederkehrenden Bestellungen beginnt mit einer kleinen Versuchsplatte, bevor die eigentliche Serie läuft. Das ist keine Umständlichkeit, sondern die billigste Art, eine teure Fehlcharge zu vermeiden.

Häufige Fragen

Zieht der Laser die Schnittfuge automatisch ab?
Nein. Wir schneiden mittig auf der gezeichneten Linie, ohne Werkzeugkorrektur. Die Kompensation gehört in deine Zeichnung — so behältst du die Kontrolle darüber, welches Maß am Ende genau stimmen soll.
Muss ich eine halbe oder eine ganze Schnittfuge einrechnen?
Für ein Maß, das von zwei Schnittkanten begrenzt wird — Breite, Durchmesser, Schlitzlänge — eine ganze. Nur wenn du eine einzelne Kante gegen eine feste Bezugsfläche ausrichtest, ist es eine halbe.
Warum wackeln meine Steckteile trotz exakter Zeichnung?
Weil sich der Effekt bei Zapfen und Schlitz addiert: Der Zapfen wird eine Schnittfuge schmaler, der Schlitz eine Schnittfuge breiter. Das Spiel ist damit doppelt so groß wie die Schnittfuge — bei Acryl 3 mm rund 0,7 mm.
Wie groß ist die Schnittfuge bei Acrylglas 3 mm?
Als Ausgangspunkt rechnen wir mit 0,3 bis 0,4 mm. Der Wert schwankt mit Linse, Prozessluft und Materialcharge; für maßhaltige Passungen empfehlen wir einen Probeschnitt.

Grundlage

  • Kundenkorrespondenz der Werkstatt, 2019–2026 (Trotec Speedy 500)
  • Formulor-Vorlagenkonventionen, formulor.de/help/classic.html