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Dickentoleranz bei Acrylglas

„3 mm" auf der Platte ist ein Nennmaß, keine Messung. Wie weit die echte Dicke davon abweichen darf, hängt am Herstellverfahren — und entscheidet, ob deine Steckverbindung sitzt.

Fachlich geprüft am 11. September 2026

Ein stählerner Messschieber liegt an der Kante einer klaren Acrylplatte; dahinter gestapelte Platten in Klar, Weiß und Schwarz und zwei kleine klare Acrylteile.KI-generiert

Acrylglas wird nach Nennstärke verkauft: 2, 3, 4, 5 mm. Keine Platte ist exakt so dick. Wie weit sie abweichen darf, ist genormt — und fällt je nach Herstellverfahren sehr unterschiedlich aus.

Für ein Schild ist das egal. Für alles, was gesteckt wird — Zapfen in Schlitz, Fingerzinken, Nuten, gestapelte Schichten —, ist die Plattendicke das zweite Maß der Verbindung. Stimmt sie nicht, hilft die genaueste Zeichnung nichts.

Was die Normen erlauben

MaterialZulässige AbweichungBeispiel
Acrylglas GS, gegossen± (0,4 + 0,1 × Dicke) mm3 mm: 2,3 bis 3,7 mm
Acrylglas XT, extrudiert, 1,5 bis unter 3 mm± 10 %2 mm: 1,8 bis 2,2 mm
Acrylglas XT, extrudiert, ab 3 mm± 5 %3 mm: 2,85 bis 3,15 mm
Acrylglas GS Präzision± 0,1 mm2 mm: 1,9 bis 2,1 mm

GS nach ISO 7823-1, XT nach ISO 7823-2 — dort gilt die Toleranz ausdrücklich innerhalb einer Platte und von Platte zu Platte. Präzisionsacrylglas nach Materialangabe unseres Sortiments.

Gegossenes Acrylglas nach Stärke

NennstärkeToleranzZulässige Dicke
2 mm± 0,6 mm1,4 bis 2,6 mm
3 mm± 0,7 mm2,3 bis 3,7 mm
4 mm± 0,8 mm3,2 bis 4,8 mm
5 mm± 0,9 mm4,1 bis 5,9 mm
6 mm± 1,0 mm5,0 bis 7,0 mm
8 mm± 1,2 mm6,8 bis 9,2 mm

Grenzwerte der Norm, keine typischen Werte — nicht jede Platte schöpft sie aus. Konstruieren musst du trotzdem für die Grenze.

Warum gegossenes Acryl so stark schwankt

GS entsteht, indem flüssiges PMMA zwischen zwei Glasscheiben gegossen wird und dort aushärtet. Wie dick die Platte am Ende ist, bestimmen der Spalt zwischen den Scheiben und das Schwinden beim Aushärten — beides lässt sich nicht auf Zehntel steuern.

XT dagegen wird als Schmelze durch eine Düse gepresst und zwischen Walzen auf Dicke gebracht. Das hält die Stärke deutlich gleichmäßiger, und die Norm ist entsprechend strenger: bei 3 mm ± 0,15 statt ± 0,7 mm.

Was das für eine Steckverbindung bedeutet

Ein Schlitz für 3-mm-Acryl, gezeichnet mit 3,0 mm Breite, passt nur, wenn die Platte auch 3,0 mm dick ist. Bei gegossenem Material darf der Zapfen aber bis zu 3,7 mm dick sein — dann geht er nicht hinein. Oder er ist 2,3 mm dünn und hat 0,7 mm Spiel. Beides ist normgerecht.

Dazu kommt die Schnittfuge: Der Laser weitet jeden Schlitz um seine eigene Strahlbreite auf. Dickentoleranz und Schnittfuge addieren sich — wie du den Schlitz für beides auslegst, zeigt der Artikel zur Schnittfuge.

Drei Wege zu einer Verbindung, die sitzt

  1. Den Schlitz auf die Obergrenze der Toleranz auslegen und das Teil mit Kleber oder Schraube fixieren, statt es klemmen zu lassen.
  2. Ein Probestück bestellen, die tatsächliche Dicke messen und die Schlitze danach auslegen. Bei gegossenem Acryl gilt das Maß allerdings nur für diese eine Lieferung.
  3. Präzisionsacrylglas oder XT wählen, wenn die Verbindung ohne Nacharbeit und über mehrere Bestellungen hinweg passen soll.

Präzisionsacrylglas: wann es sich lohnt

Acrylglas GS Präzision ist gegossenes Acryl, das mit einer Dickentoleranz von ± 0,1 mm gefertigt wird. Bei 2 mm liegt die Platte also sicher zwischen 1,9 und 2,1 mm — gewöhnliches gegossenes Acryl derselben Stärke darf zwischen 1,4 und 2,6 mm liegen.

Wir führen es in 0,5, 1 und 2 mm, und das ist kein Zufall: Gerade bei dünnen Schichten wiegt eine grobe Toleranz relativ am schwersten. Typische Fälle sind gestapelte Lagen, bei denen sich die Abweichungen aufsummieren, Distanzscheiben und Einleger, die bündig in einer Nut sitzen sollen.

Zwei Einschränkungen gehören dazu: Präzisionsacryl kostet mehr als Standard-GS derselben Stärke, und es verträgt nur leichte bis mittlere Gravuren — großflächig graviertes Material in 1 mm liegt oft nicht mehr ganz plan, auf 0,5 mm raten wir von Gravuren ganz ab.

Und XT?

Extrudiertes Acrylglas XT ist der Mittelweg: ab 3 mm höchstens ± 5 %, bei 3 mm also 0,15 mm daneben — nicht ganz so eng wie Präzisionsacryl, aber fast fünfmal genauer als gegossenes. Dafür graviert es weniger kontrastreich und reagiert empfindlicher auf Spannungsrisse; die ganze Abwägung steht im Artikel zu GS und XT.

Häufige Fragen

Wie genau ist 3-mm-Acrylglas wirklich 3 mm?
Gegossenes Acrylglas GS darf nach ISO 7823-1 um ± (0,4 + 0,1 × Dicke) mm abweichen, bei 3 mm also zwischen 2,3 und 3,7 mm liegen. Extrudiertes XT ab 3 mm nur um ± 5 %, also 2,85 bis 3,15 mm.
Was ist Präzisionsacrylglas?
Gegossenes Acrylglas, das mit einer Dickentoleranz von ± 0,1 mm gefertigt wird. Wir führen es in 0,5, 1 und 2 mm — für Verbindungen und Schichten, die ohne Nacharbeit passen müssen.
Warum passt mein Zapfen nicht in den Schlitz?
Meist ist die Platte dicker oder dünner als ihr Nennmaß, und die Schnittfuge kommt noch hinzu. Bei gegossenem Acryl beträgt die zulässige Abweichung bei 3 mm ± 0,7 mm — mehr als die Schnittfuge selbst.
Ist XT genauer als GS?
In der Dicke ja: Die Norm erlaubt bei extrudiertem Acryl ab 3 mm ± 5 %, bei gegossenem bei 3 mm ± 0,7 mm. Dafür graviert GS kontrastreicher und verzeiht beim Kleben mehr.

Grundlage